Die Mentalisierungs-basierte Therapie (MBT)

Die MBT basiert auf den Theorien Peter Fonagys (Bateman & Fonagy, 2006), in denen das psychoanalytisch-entwicklungspsychologische Konzept der Mentalisierung eine zentrale Rolle einnimmt. Vereinfacht ausgedrückt wird damit die Fähigkeit bezeichnet, innere Zustände von sich selbst und anderen wahrzunehmen und diese in ihren Ursachen und Folgen zu verstehen. Dieser komplexe Prozess umfasst eine Reihe von Teilaspekten:

(Bateman und Fonagy 2006, S. 2)

Die MBT geht davon aus, dass die Borderline Pathologie im Wesentlichen durch eine beeinträchtigte Mentalisierungsfähigkeit entsteht, die in affektiven Zuständen, insbesondere in intensiven Beziehungssituationen (Verlassenheitsangst) auftreten. Selbstverletzendes Verhalten (SVV) wird in der MBT als ein Versuch verstanden, der Destabilisierung, die in Zuständen hoher emotionaler Erregung auftritt, entgegenzuwirken.

Die MBT wurde als tagesklinische Behandlung für einen Zeitraum von maximal 18-24 Monaten konzipiert und evaluiert (Bateman und Fonagy 1999, 2001). Alternativ wird ein ambulantes Therapieprogramm mit einer Kombination aus einer Einzel- und einer Gruppentherapiesitzung pro Woche angewandt. Die MBT umfasst zunächst eine differenzierte Diagnostik, bei der die Erfassung der Mentalisierungsfähigkeit eine besondere Rolle spielt. Anschließend wird die Diagnose eröffnet und mit psychoedukativen Mitteln ein ätiologisches Verständnis der Problematik und der geplanten Therapie vermittelt. Die Frühphase der Behandlung dient der Stabilisierung des Patienten und der Festigung der therapeutischen Beziehung. Ein Therapievertrag wird nicht abgeschlossen, allerdings wird eine Behandlungsvereinbarung getroffen, und es werden Krisenpläne entworfen. Den Kern der Behandlung stellt die Arbeit an der Mentalisierungsfähigkeit des Patienten dar. Die Interventionen sollen dabei kurz und einfach sein, Affekte und das Erleben des Patienten („patient´s mind“) fokussieren und weniger auf das Verhalten abzielen. Der aktuelle Kontext des Erlebens wird im Detail analysiert, wobei primär bewusstseinsnahes Material angesprochen wird. Anders als in der TFP wird die Übertragung nicht in den Mittelpunkt gestellt sondern lediglich als Patient-Therapeut-Beziehung im Hier-und-Jetzt insoweit nutzbar gemacht, als sie der Arbeit an der Mentalisierung zugute kommt. Biografisch frühe Beziehungserfahrungen werden dabei nicht thematisiert.

Literatur

Bateman A, Fonagy P (1999) Effectiveness of Partial Hospitalization in the Treatment of Borderline Personality Disorder: A Randomized Controlled Trial. Am J Psychiatry 156(10):1563-1569

Bateman A, Fonagy P (2001) Treatment of Borderline Personality Disorder With Psychoanalytically Oriented Partial Hospitalization: An 18-Month Follow-up. Am J Psychiatry 158(1):36-42

Bateman A, Fonagy P (2006) Mentalization-Based Treatment for Borderline Personality Disorder. A practical Guide. Oxford University Press, Oxford
 

Das Borderline-Netzwerk Berlin dankt Herrn Prof. Dr. med. Stephan Doering für die freundliche Überlassung des Textes.